Fünf Kinder sitzen im Kreis auf einem Holzdeck und essen gemeinsam. Zwei Kinder essen Apfel, ein anderes hat einen blauen Rucksack auf dem Rücken, eines ein Tablet in den Händen. Die Szene zeigt eine entspannte, soziale Situation unter Kindern.

Das Projekt

Die AJS NRW widmet sich der Thematik „Cybergrooming" schon seit vielen Jahren, mit diesem Projekt jetzt weitreichender und systematisch.

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Laufzeit bis Ende 2027.

Projektbeschreibung

Unsichtbare Gefahr:

Cybergrooming im Alltag junger Menschen

Cybergrooming ist eine besonders perfide Form sexualisierter Online-Gewalt: Täter:innen nutzen Social Media, Messenger, Online-Games oder Live-Streaming-Apps, um gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Mit manipulativen Techniken erschleichen sie sich Vertrauen unter falscher Identität. Mit wenig Aufwand erreichen sie Kinder und Jugendliche in ihren digitalen Lebenswelten: auf ihren persönlichen Geräten, in den Spielen oder Apps, die sie täglich nutzen und in denen sie sich wohlfühlen.

Meist männliche Täter versuchen, Kinder in private Chats zu locken, um ungestört mit ihnen zu kommunizieren. Zum Beispiel schenken sie in Spielen virtuelle Gegenstände, um Vertrauen aufzubauen und Abhängigkeiten zu schaffen. Sie machen unangemessene Kommentare zum Aussehen oder Körper des Kindes und lenken Gespräche auf sexuelle Themen. Nicht selten versenden sie selbst Nacktbilder oder fordern solche von den Kindern – etwa als „Beweis“ für Vertrauen. Dabei akzeptieren sie kein „Nein“ und üben massiv Druck aus, beispielsweise durch Erpressung oder emotionale Manipulation. Gleichzeitig versuchen sie, persönliche Daten wie Adresse oder Schulname zu erfahren oder ein Treffen in der realen Welt zu vereinbaren. Die Strategien sind oft so subtil, dass Kinder sie zunächst nicht als gefährlich erkennen. Viele Betroffene schweigen, weil sie sich schämen oder ein Spiel-/Handyverbot fürchten.

Besonders gefährdet sind junge Menschen mit Behinderungen, sprachlichen Barrieren oder geringer Medienkompetenz. Erhöhte Verletzlichkeit durch soziale Isolation oder eingeschränkte Aufklärung über digitale Risiken, werden gezielt ausgenutzt. Technologische Entwicklungen wie KI verschärfen die Risiken: Deepfakes, virtuelle Missbrauchsdarstellungen oder das Vortäuschen von Identitäten machen es Tatpersonen immer leichter, unentdeckt zu bleiben.

Logo des Projekts STRONG in weiß auf blauem Kreis
Drei Jugendliche sitzen nebeneinander auf einer Bank und schauen konzentriert auf den Bildschirm eines Laptops. Im Hintergrund sind weitere Jugendliche zu sehen.

Prävention braucht mehr als Warnungen

Studien zeigen (i): Viele Kinder und Jugendliche wünschen sich mehr Unterstützung von Erwachsenen. Doch nur ein Drittel der Eltern spricht regelmäßig mit ihren Kindern über Online-Erfahrungen. Gleichzeitig sinkt die elterliche Kontrolle mit zunehmendem Alter – obwohl gerade ältere Kinder und Jugendliche häufiger Opfer von Cybergrooming werden.

Hier setzt das neu gestartete AJS-Projekt „STRONG – Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming“ an: Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der inklusive Medienarbeit und sexuelle Bildung miteinander verbindet.

  1. Landesanstalt für Medien NRW (2025): Cybergrooming-Studie. Zentrale Ergebnisse der 5. Befragungswelle 2025. Düsseldorf. Hier online verfügbar.

Die Haltung zählt:

Empowerment statt Angstmache!

Fachkräfte stärken, Eltern erreichen: Durch Online-Fortbildungen, regionale Fachtage und Schulungen werden pädagogische Fachkräfte für Risiken und Gefahren sensibilisiert. Ein Fokus liegt auf der Verschränkung von Medien- und Sexualpädagogik: Nur wer über Sexualität und die eigenen (digitalen) Grenzen Bescheid weiß und darüber altersangemessen sprechen kann, trägt zum Schutz von Kindern und Jugendliche wirklich bei. Besonders wichtig ist dabei die Berücksichtigung vulnerabler Gruppen – etwa durch Materialien in Leichter Sprache oder inklusive Workshop-Formate.

Entwicklung von Arbeitshilfen, Pilotprojekten, Best-Practice: In Kooperation mit Partnern entstehen praxisnahe Angebote: Workshops für Jugendliche, Materialien und Handreichungen für Fachkräfte oder die Entwicklung von Schutzkonzepten, die analoge und digitale Gewalt gleichermaßen berücksichtigen.

Vernetzung und Sichtbarkeit: Das Projekt baut ein landesweites Kompetenznetzwerk auf, das Akteur:innen aus Jugendarbeit, Beratungsstellen, Polizei und Bildungseinrichtungen verbindet. Ziel ist eine dauerhafte strukturelle Verankerung der Prävention von sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. Diese Webseite bündelt Informationen und Materialien als zentrales Informationsportal.

Zwei Kinder auf einem Schulhof, eines trägt das andere huckepack. Beide lachen und wirken fröhlich. Im Hintergrund sind orange Verkehrshütchen und ein Schulgebäude zu sehen.

Schutz und Befähigung von Kindern und Jugendlichen braucht uns alle

Die eigene Haltung macht den Unterschied: Viele Eltern und Fachkräfte reagieren aus Überforderung auf digitale Risiken mit Unsicherheit oder gänzlicher Ablehnung heutiger Mediengewohnheiten. Dabei ist es wichtig mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und interessiert an ihren Erlebnissen im Netz zu sein. Betroffene öffnen sich nicht, wenn sie Ablehnung oder gar Strafe befürchten.

Cybergrooming ist kein Randphänomen und seine Bekämpfung eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe. Effektive Prävention gelingt nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, inklusive Ansätze und die Einbindung junger Menschen. Denn digitale Sicherheit ist kein Luxus – sie ist ein Kinderrecht.

Lernziele

Lernziele

Was will das Projekt erreichen?

Die Angebote des Projekts STRONG - Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming - seien es Fortbildungen für Fachkräfte, Schulungen für Multiplikator:innen, Workshops mit Kindern und Jugendlichen oder die Materialentwicklung - verfolgen diese Lernziele:

Kinder und Jugendliche sollen verstehen, dass Tatpersonen sexualisierte Übergriffe gezielt vorbereiten z. B. durch:

• Manipulation
• Geheimhaltung
• emotionale Abhängigkeit
• Schuldzuweisungen oder Drohungen.

Das Erkennen dieser Strategien ist ein zentraler Schutzfaktor.

Methoden sollen Räume schaffen, in denen Kinder und Jugendliche erleben:

• über Gefühle, Grenzen und Unsicherheiten sprechen zu können,
• dass es erlaubt ist, über den eigenen Körper und Sexualität zu sprechen,
• dass sie ernst genommen werden und ihnen zugehört wird.

Sprache ist ein Schlüssel zur Prävention. Nur wer Bescheid weiß, kann Bescheid sagen.

Alle Methoden sollen klar machen:

• Jede:r hat das Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung.
• Grenzverletzungen können passieren, Übergriffe sind immer verboten.
• Niemand darf intime Bilder verlangen, herstellen oder verbreiten. Das sind Straftaten.

Bewusstsein für den eigenen Körper und die eigene Sexualität befähigen, eigene Grenzen zu erkennen und sich besser zu schützen.

Kinder und Jugendliche sollen wissen, dass Zustimmung als dynamischer Prozess zu verstehen ist: freiwillig, informiert & jederzeit widerrufbar.

Methoden sollen verdeutlichen, dass:
• ein Nein immer gilt,
• Schweigen kein Ja ist,
• Grenzen sich ändern dürfen.

Nur wenn Grenzen respektiert und Zustimmung aktiv gelebt wird, entstehen gleichberechtigte Beziehungen.

Für Begegnungen und Interaktionen im Internet sollen Kinder und Jugendliche die 3Ks kennenlernen:

• Kontrolle: Persönliche Daten schützen – nur teilen, was wirklich nötig ist.
• Kommunikation: Mit vertrauten Personen über Online-Kontakte sprechen.
• Klarheit: Misstrauisch sein bei unklaren Anfragen oder Druck – lieber nachfragen oder blockieren.

Die 3Ks sind einfache, aber wirksame Regeln für mehr Sicherheit im digitalen Alltag.

Bei Treffen mit Online-Bekanntschaften oder Fremden sorgen die 3Ls für mehr Sicherheit:

• Licht: Öffentliche, gut einsehbare Orte wählen.
• Lärm: Orte, an denen Hilfe möglich ist, wählen.
• Leute: Immer jemandem Bescheid sagen, wo und mit wem man sich trifft.

Die 3Ls sind praktische und leicht umsetzbare Tipps für den Schutz im öffentlichen Raum.

Scham und Schuld

Betroffene von sexualisierter Gewalt schämen sich, obwohl sie niemals Schuld tragen:

Präventive Methoden sollen dazu beitragen:

  • Scham grundsätzlich abzubauen,

  • Verantwortungszuschreibungen zu ermöglichen,

  • Betroffene zu stärken.

Wer Verantwortung klar benennt, entlastet Betroffene – und gibt ihnen ihre Stimme zurück.

Orangenes Herz mit pinkfarbenem Rand, in dessen Mitte sich ein kleineres, weißes Herz befindet, in einem pinken Kreis auf weißem Grund.

Haltung

Prävention

Die eigene Haltung macht den Unterschied

Kinder wachsen heute in einer digitalisierten Welt auf. Eine Trennung zwischen einem digitalen und einem nicht-digitalen Raum existiert für sie nicht mehr.

Kinder und Jugendliche erleben die vielfältigen Möglichkeiten, sich bildbasiert mitzuteilen und selbst darzustellen, als selbstverständlich.

Eine moderne (Medien-)Erziehung erkennt die Nutzung digitaler Medien als Grundvoraussetzung sozialer Teilhabe an.

Viele Eltern und Fachkräfte reagieren aus Überforderung auf digitale Risiken mit Unsicherheit oder gänzlicher Ablehnung heutiger Mediengewohnheiten. Dabei ist es wichtig mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und interessiert an ihren Erlebnissen im Netz zu sein. Betroffene öffnen sich nicht, wenn sie Ablehnung oder gar Strafe befürchten.

Drei Jugendliche sitzen nebeneinander auf einer Bank und schauen konzentriert auf den Bildschirm eines Laptops. Im Hintergrund sind weitere Jugendliche zu sehen.
Stilisiertes Gehirn in weiß mit pinkfarbenem Rand, umgeben von weißen Lichtblitzen, die Ideen oder Inspiration symbolisieren, in einem blauen Kreis.

Kinder und Jugendliche sind von Natur aus experimentierfreudig, wollen soziale Erfahrungen machen und haben Lust, Sachen auszuprobieren. Das Recht, auch im digitalen Raum altersgerechte Freiräume zu besitzen und diese aktiv mitzugestalten, kann durch die teils begründete Sorge vor Gefahrenlagen eingeschränkt sein.

Wenn Kinder beliebte Angebote kennenlernen und nutzen, ist es wichtig, sie dabei nicht allein zu lassen. Eltern sollten mit ihren Kindern im Gespräch sein, sie stärken und ihnen die Scham nehmen, sich Hilfe zu holen, wenn etwas vorfällt.

Kinder und Jugendliche sollen ein Gefühl für die eigenen Grenzen und die der anderen erlernen, auch mit starken Gefühlen wie Eifersucht, Wut oder Neid umzugehen und die gängigen Geschlechterklischees und damit einhergehenden Stigmatisierungen zu hinterfragen.

Kinderrechte gelten auch im digitalen Raum: Jedes Kind hat das Recht auf sichere, chancengleiche und selbstbestimmte Teilhabe an digitalen Medien – geschützt durch klare Regeln und eine verantwortungsvolle Gestaltung.

Veranstaltungen

Team

Unser Team

Pinkes Herz mit orangenem Rand und der blauen Aufschrift 'STRONG' in der unteren rechten Ecke auf weißem Hintergrund.
Herz
Silke Knabenschuh
Projektleitung STRONG
Fachreferentin
Pinkes Herz mit orangenem Rand und der blauen Aufschrift 'STRONG' in der unteren rechten Ecke auf weißem Hintergrund.
Herz
Jessica Szkodzinski
Fachreferentin
Pinkes Herz mit orangenem Rand und der blauen Aufschrift 'STRONG' in der unteren rechten Ecke auf weißem Hintergrund.
Herz
Denise Gühnemann
Fachreferentin
Öffentlichkeitsarbeit
Pinkes Herz mit orangenem Rand und der blauen Aufschrift 'STRONG' in der unteren rechten Ecke auf weißem Hintergrund.
Herz
Matthias Felling
stellvertr. Geschäftsführung
Fachreferent