Unsichtbare Gefahr:
Cybergrooming im Alltag junger Menschen
Cybergrooming ist eine besonders perfide Form sexualisierter Online-Gewalt: Täter:innen nutzen Social Media, Messenger, Online-Games oder Live-Streaming-Apps, um gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Mit manipulativen Techniken erschleichen sie sich Vertrauen unter falscher Identität. Mit wenig Aufwand erreichen sie Kinder und Jugendliche in ihren digitalen Lebenswelten: auf ihren persönlichen Geräten, in den Spielen oder Apps, die sie täglich nutzen und in denen sie sich wohlfühlen.
Meist männliche Täter versuchen, Kinder in private Chats zu locken, um ungestört mit ihnen zu kommunizieren. Zum Beispiel schenken sie in Spielen virtuelle Gegenstände, um Vertrauen aufzubauen und Abhängigkeiten zu schaffen. Sie machen unangemessene Kommentare zum Aussehen oder Körper des Kindes und lenken Gespräche auf sexuelle Themen. Nicht selten versenden sie selbst Nacktbilder oder fordern solche von den Kindern – etwa als „Beweis“ für Vertrauen. Dabei akzeptieren sie kein „Nein“ und üben massiv Druck aus, beispielsweise durch Erpressung oder emotionale Manipulation. Gleichzeitig versuchen sie, persönliche Daten wie Adresse oder Schulname zu erfahren oder ein Treffen in der realen Welt zu vereinbaren. Die Strategien sind oft so subtil, dass Kinder sie zunächst nicht als gefährlich erkennen. Viele Betroffene schweigen, weil sie sich schämen oder ein Spiel-/Handyverbot fürchten.
Besonders gefährdet sind junge Menschen mit Behinderungen, sprachlichen Barrieren oder geringer Medienkompetenz. Erhöhte Verletzlichkeit durch soziale Isolation oder eingeschränkte Aufklärung über digitale Risiken, werden gezielt ausgenutzt. Technologische Entwicklungen wie KI verschärfen die Risiken: Deepfakes, virtuelle Missbrauchsdarstellungen oder das Vortäuschen von Identitäten machen es Tatpersonen immer leichter, unentdeckt zu bleiben.