Gruppe von Personen sitzt um einen Tisch und hält Karten mit verschiedenen Symbolen und Farben in den Händen. Die Szene zeigt eine interaktive Übung oder ein Spiel, bei dem die Teilnehmer:innen Karten auswählen oder sortieren.

Ein Netzwerkprojekt der AJS NRW

STRONG - Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming

Ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen ist in Deutschland von Cybergrooming betroffen. Der Begriff „Cybergrooming“ bezeichnet die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte zu Minderjährigen im Internet. Die AJS NRW widmet sich der Thematik schon seit vielen Jahren, mit dem Projekt jetzt weitreichender und systematisch. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKJFGFI).

Stilisierter, orangefarbener Muskelarm mit angesetztem Bizeps und drei orangenen Blitzen darüber, die Kraft symbolisieren. Der Arm ist auf blauem Kreis mit weißem Hintergrund dargestellt.

Unsichtbare Gefahr:

Cybergrooming im Alltag 
junger Menschen

Cybergrooming ist eine besonders perfide Form sexualisierter Online-Gewalt: Täter:innen nutzen Social Media, Messenger, Online-Games oder Live-Streaming-Apps, um gezielt Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Mit manipulativen Techniken erschleichen sie sich Vertrauen unter falscher Identität. Mit wenig Aufwand erreichen sie Kinder und Jugendliche in ihren digitalen Lebenswelten: auf ihren persönlichen Geräten, in den Spielen oder Apps, die sie täglich nutzen und in denen sie sich wohlfühlen.

Prävention braucht mehr als Warnungen

Studien zeigen: Viele Kinder und Jugendliche wünschen sich mehr Unterstützung von Erwachsenen. Doch nur ein Drittel der Eltern spricht regelmäßig mit ihren Kindern über Online-Erfahrungen. Gleichzeitig sinkt die elterliche Kontrolle mit zunehmendem Alter – obwohl gerade ältere Kinder und Jugendliche häufiger Opfer von Cybergrooming werden. Hier setzt das neu gestartete AJS-Projekt „STRONG – Stark gegen Online-Gewalt und Cybergrooming“ an: Mit einem ganzheitlichen Ansatz, der inklusive Medienarbeit und sexuelle Bildung miteinander verbindet.

Pinkes Herz mit der Aufschrift 'STRONG' in blauen Buchstaben und orangefarbenem Rand
Fünf Kinder sitzen im Kreis auf einem Holzdeck und essen gemeinsam. Zwei Kinder essen Apfel, ein anderes hat einen blauen Rucksack auf dem Rücken, eines ein Tablet in den Händen. Die Szene zeigt eine entspannte, soziale Situation unter Kindern.

Schutz und Befähigung von Kindern und Jugendlichen braucht uns alle!

Die eigene Haltung macht den Unterschied: Viele Eltern und Fachkräfte reagieren aus Überforderung auf digitale Risiken mit Unsicherheit oder gänzlicher Ablehnung heutiger Mediengewohnheiten. Dabei ist es wichtig mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben und interessiert an ihren Erlebnissen im Netz zu sein. Betroffene öffnen sich nicht, wenn sie Ablehnung oder gar Strafe befürchten.

Cybergrooming ist kein Randphänomen und seine Bekämpfung eine gesamt-gesellschaftliche Aufgabe. Effektive Prävention gelingt nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit, inklusive Ansätze und die Einbindung junger Menschen. Denn digitale Sicherheit ist kein Luxus – sie ist ein Kinderrecht.

Alle Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf sichere und selbstbestimmte Teilhabe an digitalen Medien.

Hilfe finden

Konfrontiert mit Online-Gewalt und Cybergrooming?

Hier gibt es Erste Hilfe:

Das bundesweite Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch ist ein Angebot der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Es unterstützt alle Menschen dabei, Informationen, Hilfe und Beratung bei sexuellen Übergriffen zu finden – vor Ort, online oder telefonisch. https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/startseite

Schreib-Ollie ist eine anonyme Online-Beratung für Menschen, die von sexualisierter Gewalt in Kindheit oder Jugend betroffen sind, sowie für Angehörige, Fachkräfte oder Personen mit Verdachtsmomenten. Das Angebot ermöglicht eine datensichere, vertrauliche Kommunikation per E-Mail und wird von der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch gefördert. https://schreib-ollie.de/#/

fragZEBRA ist ein Online-Beratungsangebot der Landesanstalt für Medien NRW, das individuelle Fragen zum Umgang mit digitalen Medien beantwortet – von Cybermobbing über Datenschutz bis hin zu KI oder sozialen Netzwerken. Nutzer:innen können sich per Chat, WhatsApp, Instagram oder E-Mail an das Team wenden und erhalten innerhalb von 24 Stunden eine Antwort. Das Angebot richtet sich an alle Altersgruppen. https://www.fragzebra.de/

Die Nummer gegen Kummer bietet ein kostenfreies, telefonisches Beratungsangebotes für Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Bezugspersonen in Deutschland. Die Beratung erfolgt anonym. https://www.nummergegenkummer.de/

JUUUPORT bietet Erste Hilfe im Internet – von Jugendlichen für Jugendliche. Jugendliche helfen Gleichaltrigen und geben ihnen Tipps, wie sie sich sicher im Netz bewegen und sich vor Gefahren schützen können. https://beratung.juuuport.de/

Betroffene brauchen Hilfe dabei, Scham, Zweifel und Ohnmachtsgefühle zu überwinden und Selbstwirksamkeit wiederzuerlangen.

Betroffene unterstützen

Intervention mit Respekt und Einvernehmen

Betroffene sollten sich zunächst an spezialisierte Fachberatungsstellen wenden, um sich über das richtige Vorgehen zu informieren. Auch die Polizei kann kontaktiert werden, allerdings gilt hier das Legalitätsprinzip: Bei Verdacht auf eine Straftat sind die Behörden verpflichtet, Ermittlungen einzuleiten (§§ 152 Abs. 2, 163 StPO). Wichtig zu wissen: Eine Meldung kann in der Regel nicht rückgängig gemacht werden.

Entscheidend ist, Betroffene nicht zu übergehen, sondern alle Schritte gemeinsam abzustimmen. Fragen wie „Was brauchst du?“ oder „Darf ich das weitergeben?“ sind zentral. Eine Zusammenarbeit mit Beratungsstellen oder der Polizei sollte nur im Einvernehmen mit der betroffenen Person erfolgen. Unterstützung bedeutet, ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und sie aktiv in Entscheidungen einzubinden.

Stilisiertes Gehirn in weiß mit pinkfarbenem Rand, umgeben von weißen Lichtblitzen, die Ideen oder Inspiration symbolisieren, in einem blauen Kreis.

Sexuelle Bildung, bei der es um die eigenen Grenzen, die Grenzen der anderen und um gegenseitiges Einverständnis geht, kann vorbeugend gegen sexuelle Gewalt wirken.

Gruppe von Personen sitzt im Kreis an einem Tisch und arbeitet gemeinsam an einem großen Blatt Papier. Auf dem Tisch liegen Stifte, Textmarker und eine Tasse. Die Szene zeigt eine kreative Gruppenarbeit oder ein Brainstorming.

Das STRONG-Netzwerk

STRONG baut ein landesweites Kompetenznetzwerk auf, das Akteur:innen aus Jugendarbeit, Beratungsstellen, Polizei und Bildungseinrichtungen verbindet. Ziel ist eine dauerhafte strukturelle Verankerung der Prävention von sexualisierter Gewalt im digitalen Raum. Diese Webseite bündelt Informationen und Materialien als zentrales Informationsportal für NRW.

Stilisierter, blauer Muskelarm mit angesetztem Bizeps und drei blauen Blitzen darüber, die Kraft symbolisieren. Der Arm ist auf orangenem Kreis dargestellt.

Gemeinsam gegen Online-Gewalt und Cybergrooming

Zahlreiche Initiativen und Institutionen arbeiten ebenfalls zum Thema Cybergrooming.